Social Media für Biowinzer – Facebook oder Google+?
17. Mai 2013Nachdem sich herumgesprochen hatte, dass es auch für Biowinzer – und andere Erzeuger – ganz sinnvoll sein kann in den sozialen Netzwerken vertreten zu sein, taten einige beherzt den Schritt zu Facebook. Es kam wie es kommen musste: Einige waren mit Feuereifer bei der Sache, berichteten regelmäßig über Arbeit und / oder Befindlichkeiten. Andere schafften gerade den Anmeldeprozess und ein schüchternes „Hallo, ich bin auch hier”. Wieder andere (Winzergenossenschaften) erkannten, dass auch eine Präsenz hier Zeit und Arbeit kostet und traten den geordneten Rückzug an.
Hier als Hilfestellung eine kurze Übersicht.
Facebook, Google+, Twitter?
Die meisten Winzer / Erzeuger entscheiden das wahrscheinlich nach ganz subjektiven Gründen: Kollege xy ist auch dort, die eigenen Kinder sind da aktiv. Oder die Oberfläche der jeweiligen Websites spricht einen an. Oder man fühlt sich von den Kurznachrichten in Twitter herausgefordert. Das eigene Gefühl ist als Entscheidungsgrundlage nicht schlecht, nach meinem Empfinden sogar besser als das Schielen auf die Zahlen.
Facebook steuert in Deutschland 40 Millionen Nutzer an, Google+ erreicht nicht einmal ein Viertel davon. Wenn schon Flagge zeigen, dann auf der „großen” Plattform? Und wenn ja, mit was, welchen Themen und Inhalten, wie oft? Und was gehört sonst noch alles dazu?
Twitter schließe ich bei dieser Übersicht erst einmal aus: Nach meiner Erfahrung tun sich die meisten Winzer / Erzeuger schon schwer genug damit, etwas regelmäßig am Computer zu verfolgen. Textlänge und Frequenz von Twitter verlangen nach meiner Einschätzung, dass man dauernd am Smartphone hängt und im Arbeitsalltag schwer zu machen ist.
Befindlichkeiten versus Fakten?
Wer länger unterwegs ist auf diesen Seiten, der erkennt schnell die Unterschiede: Auf Facebook ist zwar gefühlt vielmehr los, aber es geht oft um Befindlichkeiten. Ob das nun Statusmeldung heißt oder sonstwie: Ein fröhliches Guten Morgen reicht da oftmals schon als Eintrag. Oder eine Frage an die Follower: Was haltet ihr von…?
Davon darf man sich als Anfänger nicht verführen lassen: Resonanz bekommt man auf solchen Smalltalk nur bei entsprechend großer Anhängerschaft und Kommunikationsfreudigkeit der Anhänger. Unterhalb einer Schwelle (im vierstelligen Bereich) tut sich da wenig und das Ganze wirkt dann so, wie es ja auch tatsächlich ist: etwas lahm.
Generell ist es aber tatsächlich so, dass auf Facebook mehr im persönlichen Bereich läuft, es geht um Befindlichkeiten, wie fühle ich mich heute, was halte ich vom Wetter, von lustigen Katzenvideos etc. Auf Google+ ist das weniger ausgeprägt: Da geht es auch mal mehr um Themen, um sachliche Inhalte.
Ob jetzt die Kommunikationsform die Nutzerschar bestimmt oder umgekehrt, darüber erlaube ich mir kein Urteil. Aber auch nach den nackten Zahlen zu urteilen sind bei Facebook fast alle unterwegs, die Frauen sind wohl etwas stärker vertreten. Aber generell ist der Mix ausgeglichener: junge und alte, Männlein und Weiblein.
Bei Google+ dagegen kommt die Technikfraktion immer gut weg: Es sind mehr Männer vertreten, es geht öfters um Sachthemen und besonders um netzaffine Themen: Websiten und Entwicklung, Technik etc. Auch wenn Google+ weniger Nutzer hat: Von der engen Verbindung zur Suchmaschine profitieren Themen und Personen. Wenn man sich die richtigen Kreise aufgebaut hat, kann man dort vielleicht zielsicherer kommunizieren, als mit der größeren Besucherschar bei Facebook.
Was heißt das nun für Erzeuger?
Wenn man sich von diesen Sachverhalten leiten lässt und nicht nur einfach aus dem Bauch entscheidet, dann ist die Zielrichtung eigentlich klar: Um nicht nur präsent zu sein, sondern bestmöglich zu profitieren, bietet es sich an, Facebook ziemlich oft mit Häppchen zu füttern, Flagge zu zeigen, Meinung zu sagen. Man erreicht den größten Teil seiner Kunden dort, kann auf sich aufmerksam machen und so im Gedächtnis bleiben.
Wenn es um Inhalte geht, wenn man darstellen möchte, was man warum und wie macht, wenn man vielleicht auch den Austausch mit Kollegen sucht, dann bietet Google+ vielleicht auch etwas mehr Chancen – bei etwas mehr Aufwand.
Wer auf Facebook erscheint und die ersten Weinkontakte knüpft, der wird fast sofort verlinkt, befreundet, gefolgt. Was auch die Gefahr birgt, dass man auf seiner Einstiegsseite schnell nur Weinthemen findet. Auf Google+ erfolgt eine Vereinnahmung etwas langsamer, die Kreise sind behäbiger aber zielsicherer.

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