Die Rotwein-Diät

Rotwein enthält Resveratrol

Das Thema taugt für Bücher und für jede Menge Zeitschriften-Artikel: Wein und Gesundheit. Nach der mediterranen Kost mit Rotwein, viel Gemüse und gesünderen Fetten fokussiert sich das Interesse nun auf einen anderen Aspekt, der freilich schon länger bekannt ist.

Resveratrol heißt das Zauberwort. Bei Wikipedia kann man die wichtigsten und seit langem bekannten Infos nachlesen:

Resveratrol ist ein sowohl in Alkohol und Öl, als auch in Wasser lösliches Antioxidans, das zu den Polyphenolen gehört.

Der Wikipedia-Artikel enthält natürlich noch viel mehr Infos, zum Beispiel auch die chemische Zusammensetzung, Vorkommen etc. Kurz gesagt ist die Substanz am häufigsten in der Haut der roten Weintrauben anzutreffen und es werden der Substanz vielerlei positive Effekte zugesprochen: Bei Krankheiten wie Atherosklerose, Herzkrankheiten, Arthritis und Autoimmunkrankheiten, aber auch bei der Krebsabwehr.

Traubenhaut

Daß der Wirkstoff, den man seit einiger Zeit in diversen Präparaten als Nahrungsergänzungsmittel auch über den Versand beziehen kann, in dieser Woche wieder in die Schlagzeilen geriet, hat er Wissenschaftlern zu verdanken, die in der amerikanischen Zeitschrift Nature neue Ergebnisse veröffentlichten. Sowohl Focus als auch die Zeit griffen die Agenturmeldung auf, dass in Tierversuchen neue Wirkungsweisen entdeckt wurden.

Das vermeintlich Schöne daran soll sein, dass im Tierversuch die Folgen der Fettleibigkeit durch vermehrte Gaben von Resveratrol reduziert wurden. Sprich: Die gemästeten Labormäuse wurden dabei so fett, wie es zu erwarten war. Aber während die Kontrollgruppe (ohne Resveratrol) im Lauf der Zeit die bekannten Gesundheitsprobleme entwickelte wie Herz-Kreislauf-Beschwerden, vergrößerte Leber, Diabetes-Anfälligkeit, schnelle Alterung etc., wurden die Resveratrol-Nager zwar ebenfalls fetter, blieben aber dabei fit und gesund.

Wer ein dauerhaftes Problem mit der Umstellung auf gesunder Ernährungsgewohnheiten hat, sollte dennoch nicht zu früh jubeln: Die Resveratrolgaben an die Versuchstiere waren nämlich ungewöhnlich hoch. Das Gläschen Rotwein entspricht nur etwa 0,3 Prozent der Menge, die die Versuchstiere bekamen, berichtet der Focus.

Und die ZEIT hat einen weiteren wichtigen Hinweis entdeckt: Noch hinter der Literaturliste und damit ziemlich versteckt, hätten die Autoren der Studie “wirtschaftliche Interessen” bekundet, die unmittelbar mit den Resultaten der Studie zu tun haben. Das müsse nicht heißen, dass die Ergebnisse der Studie nicht objektiv und nachprüfbar seien. Aber der aufgeklärte Verbraucher weiß, daß solche wirtschaftliche Interessen schon in vielen Fällen zu – nachweisbar richtigen – Einzelergebnissen geführt haben, die in der Gesamtbewertung aber durchaus kontrovers beurteilt wurden.

Schon jetzt sind die Pillen mit Resveratrol anscheinend ein gutes Geschäft. Mit entsprechenden Forschungsergebnissen könnte der Markt von Helferlein gegen die Folgen der Fettleibigkeit durchaus heftig in Bewegung geraten. Aber keine Bange: Wer moderaten Rotweingenuss mit einem vernünftigen Lebenswandel und gesunder, abwechslungsreicher Ernährung kombiniert, der wird solche Debatten auch künftig ganz entspannt verfolgen können.

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