Ein Votum für die kleinen Dinge

Ich weiß, für den echten Weinfreak ist das kein Thema: Die 0,75-Liter-Flasche ist das Maß aller Dinge, Magnum, Doppelmagnum und Jeroboam sind reizvolle Steigerungen, vielleicht träumt der eine oder andere auch von einer Methusalem. Nach unten hin tut sich wenig: Die Spätlesen gibts in 0,5-Liter-Flaschen, die Auslesen und Eisweine auch schon mal mit 0,375 l.

Was ich meine ist die Picknick-Größe: Einfachere Weine zum Mitnehmen in der 0,5er. Also mal ein fruchtiger Rivaner (ggf. mit Kühlmanschette eingepackt) oder ein Auxerrois im Picknickkorb oder im Rucksack. Aber bei den Winzern sind solche Größen nicht zu bekommen. Am Preis kanns nicht liegen: Aus den Zeiten, als Literflaschen noch gebräuchlicher waren wissen wir, dass der gleiche Wein in der Liter- und in der 0,75-Liter-Flasche auch schon mal zum gleichen Preis wegging.

Und wer als Autofahrer unterwegs ist, dem genügt oftmals zwangsläufig eine kleine Flasche, die er noch zusammen mit seiner Liebsten verkostet. Ideal ist die “kleine” auch für Ausflüge und Picknicks: der Wein ist hier oftmals nur das Tüpfelchen auf dem i zu einer kleinen aber feinen Mahlzeit, gegen Durst hilft Wasser aus dem Brunnen.

Aber nach der Durchsicht zahlreicher Preislisten ergibt sich fast immer das gleiche Bild: Je edler und teurer die Weine, desto kleiner werden die Flaschen. Auf der anderen Seite gibt es eine ganz erstaunliche Vielfalt an Flaschenformen, von der die Winzer ganz unterschiedlich Gebrauch machen. Nur wenige schaffen es, sich hier auf wenige Formen zu beschränken und einen Stil zu wahren, bei dem Flasche und Etikett gut harmonieren.

Und wenn ich gerade dabei bin: Das Übel mit den Weingläsern ist ähnlich. Damit ich nicht falsch verstanden werde: Ich komme im Normalfall mit gut den Standardgrößen bei Flaschen und Gläsern zurecht. Aber so groß kann der Aufwand für kleinere Größen ja nicht sein.

Gerade bei den Gläsern neigt man ja auch gerne dazu, lieber eine Nummer größer zu wählen.
Bei etlichen Tests haben Fachleute aber festgestellt, dass das klassische Probenglas mit 0,1 Liter (also nicht das Weinfest-Glas, sondern wirklich das Probierglas) am besten abgeschnitten hat, wenn man einen Wein beurteilen will. Zuhause am Esstisch oder im Sessel mag das manchem komisch vorkommen, aber die Probierglasgröße ist durchaus sinnvoll. Einige Winzer verschenkten von Zeit zu Zeit diese Größe mit Werbeaufdrucken und ich habe mir auch mal einen kleinen Vorrat an 6er-Kartons gekauft (der aber schon stark geschrumpft ist).

Offiziell heißt das gute Teil DIN-Weinprüfglas und ist “über den Fachhandel” beziehbar. Eine Google-Suche ergab tatsächlich wenige Treffer: Hersteller Schott-Zwiesel bietet das 6er-Paket hier für stolze 33 Euro plus Versand an (oder geeicht für 35,52 Euro).

Uns haben die kleinen Gläser immer gute Dienste geleistet, auch auf Urlaubsreisen. Allerdings scheinen mir rund 100 Euro für drei Sechser-Pakete ein stolzer Preis zu sein.

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