Weinaktien mit Rendite? Genuss-Scheine für Biowein

Die Stuttgarter Zeitung berichtete neulich über ein Projekt, von dem ich nun schon ein paar Mal gehört habe und das mich immer wieder fasziniert: Eine Käse-Aktie mit 15 % Rendite – die freilich in Naturalien ausgezahlt wird. Diese Aktie ist im Wortsinne ein “Genußschein” – aber eigentlich keine richtige Aktie. Formal handelt es sich nämlich eher um ein Darlehen.

Wer für 100 Euro eine Käse-Aktie des Allgäuer Bauern erwirbt, der erhält dafür jährlich zwei Genussscheine für insgesamt ein Kilo Käse. Nettes Detail: Welche Käsesorte man wählt hängt nur vom Geschmack des Aktionärs ab – ein Preislimit gibt es nicht. Der findige Bauer will damit nicht etwas seinen Betrieb finanzieren, sondern den Aufbau eines Käsemuseums. Aber natürlich hat die Aktie eine ganze Menge gewünschter Nebeneffekte.

Die Aktionäre sind dem Betrieb sicher eng verbunden, machen darüberhinaus bestimmt auch gute Werbung für den Hof. Letztlich, so muss man neidlos anerkennen, ist das eine clevere Marketing-Idee, die übertragbar und ausbaufähig ist.

Faktisch sind die Geldgeber im obigen Käse-Beispiel keine Aktionäre sondern geben dem Käseerzeuger für mindestens vier Jahre einen Kredit über 100 Euro und die Zinsen werden in Naturalien ausgezahlt. Ähnliche Modelle gibt es auch andernorts, zB in der Schweiz, wo man seit einiger Zeit ein Kuh-Leasing praktiziert. Hier sind die Kosten wohl deutlich höher, man darf dafür “seine” Kuh besuchen und muss obendrein noch was für den erhaltenen Käse draufzahlen. Bei den Eidgenossen geht es denn wohl auch eher um den ideellen Mehrwert, finanziell sei diese Lösung für die Anleger wenig interessant, urteilt die Stuttgarter Zeitung.

Bei Winzern sind mir dazu spontan nur die Patenschaften eingefallen, die zum Beispiel Moselwinzer in Steillagen anbieten. Dort zahlt man sozusagen für die Bewirtschaftung in Grenzgebieten und erhält dafür ebenfalls einen Gegenwert. Aber das Modell ist nach meiner Einschätzung durchaus ausbaufähig.

Sollte der Bioboom anhalten und immer mehr Winzer den Umstieg auf Öko-Produktion erwägen, dann könnte auf diesem Wege das finanzielle Risiko minimiert werden, die Umstellung erleichtert bzw. beschleunigt werden und es ergäbe sich auch eine gute PR-Wirkung. “Genuss-Scheine” wären sicher auch beim Biowein eine gefragte Geldanlage, zumal sich das Produkt ja mit wenig Aufwand auch individuell (durch spezielle Etiketten etc.) anpassen ließe.

Auf jeden Fall könnte man auf diesem Wege noch mehr Verbraucher dafür interessieren, wo ihre Bioprodukte herkommen, wie sie erzeugt werden und nicht zuletzt auch für die finanziellen Aspekte sensibiliseren: Wenn das eigene Geld in einem Biobetrieb “arbeitet” sieht man Aufwand und Preisgestaltung sicher mit ganz anderen Augen.

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