Bücher, die ich lieber nicht im Buchhandel sehen möchte
Dieser Buch-Tipp ist eigentlich kein Buch-Tipp. An dieser Stelle will ich ja nur Dinge empfehlen, Verrisse haben hier keinen Platz. Auch aus leidvoller journalistischer Erfahung: Selbst ein negativer Bericht ist immer noch Werbung. “Schreiben Sie, was Sie wollen, nur schreiben Sie meinen Namen nicht falsch”.
Ich bin auch der Überzeugung, dass jedes Druckwerk irgendwo einen Liebhaber findet. Der was damit anfangen kann und sich freut, dass jemand ausgerechnet dieses Buch (für ihn) geschrieben hat. Aber in jüngerer Zeit finden Dinge den Weg in den Buchhandel, die ich dort eigentlich nicht haben möchte.
Schon vor etlichen Jahren habe ich ein Vertriebssystem bewundert, das den Autor von allen Unwägbarkeiten in der Zusammenarbeit mit einem Verlag befreite: Im “Selbstverlag” verkaufte ein Autor und Fotograf seine Bücher mit “Empfehlungen” von Weingütern, Restaurants und Hotels an diejenigen, die er porträtierte. Dagegen ist soweit nichts zu sagen: Die so Porträtierten entscheiden sich, ob sie mit einer viertel, einer halben, einer ganzen oder gar einer Doppelseite im Buch vertreten sind und kaufen - entsprechend dem Umfang eine jeweils festgelegte, gestaffelte Zahl von Exemplaren.
Diese Bücher können sie dann an ihre Kunden und Interessenten verschenken oder verkaufen (wahrscheinlich letzteres). Und sicher merken sie dabei auch mit Stolz an, dass sie für diesen Führer dann “auserwählt” wurden. So weit so schlecht.
Umso überraschter war ich seinerzeit, dass diese - eigentlich schon durch den Verkauf an die Porträtierten finanzierten Bücher - dann im Buchhandel auftauchten. Dort waren sie meines Erachtens fehl am Platz. Denn durch das Vertriebsmodell sind sie meiner Ansicht nach eindeutig als Werbung einzustufen. Schlimmer noch emfand ich, dass durch die Aufmachung ja der Eindruck entsteht, dass hier jemand einen Führer geschrieben hat. Und kein Wort darüber, dass es sich bei allen Beiträge um bezahlte Werbung handelt.
Der Leser erwartet also, dass der Auto die seiner Meinung nach besten Betriebe ausgesucht hat und kritisch beleuchtet. Aber wie kritisch beleuchtet jemand einen Betrieb, dem er seine Bücher direkt verkaufen möchte?
Seitdem verfolgt mich dieses Phänomen und immer wieder stoße ich auf solche Machwerke, von denen ich glaube, dass sie nach dem gleichen Muster entstanden sind. Umso überrachter war ich, als ich jetzt in der Süddeutschen Zeitung auf die Rezension eines solchen Buches stieß. Nanu, dachte ich noch: Ist der Autor diesem einfachen Strickmuster etwa auf den Leim gegangen? Mitnichten: Er kennt die Masche ganz genau.
Die dort getroffene Empfehlung von Restaurants, berichtet er, habe wohl eindeutig mit einem Kreitkartenunternehmen zu tun, dass mit genau diesen Betrieben zusammen arbeitet: In das Buch, so war dem Bericht zu entnehmen, kommen nur diejenigen, bei denen man mit eben jener Kreditkarte seine Rechnung begleichen könne.
Kritische Töne sind in dem Guide freilich nicht zu finden. Denn Partner des Verlags, der sich ausschließlich der Kulinarik widmet, ist bei diesem Projekt American Express. Auch dessen “Plakette” klebt weltweit an unzähligen Restauranttüren - die hier getroffene Auswahl von Restaurants gehört dazu. Der Untertitel des Buches - “100 Restaurants, die man kennen muss” - mutet in diesem Kontext leider eine Spur zu marketingstrategisch an.
Und damit, liebe Kollegen, ist für mich eine Grenze überschritten: Vielleicht arbeitet ihr auch eng mit dem Kreitkartenunternehmen zusammen. Und vielleicht schaltet dieses Unternehmen bei euch auch schöne große Anzeigen. Aber für so ein Buch ist in meinen Augen nicht die Redaktion, sondern die Anzeigenabteilung zuständig.
















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