Weinbau in Europa:”Go North”
Ähnlich wie seinerzeit der Zug der Siedler in Amerika scheint es derzeit auch im Weinbau eine vorherrschende Richtung zu geben: Neue Gebiete werden erschlossen, Pflöcke eingerammt, Territorien besetzt - freilich nicht im Westen, sondern im Norden. Daß aufgrund des Klimawandels bereits Dänen und Briten pilzresistente Rebstöcke ordern und anpflanzen habe ich an dieser Stelle ja schon einmal berichtet. Auch die Ausdehnung in Osteuropa scheint mir auf den ersten Blick auch eine Norderweiterung zu sein.
In der Süddeutschen Zeitung las ich jüngst eine neue Variante dieses Themas, die ebenfalls - wenn auch nur indirekt - dem Klimawandel zu verdanken ist. Ausschlaggebend sollen dagegen zwei ganz andere Gründe sein: Erstens die Liebe der Briten zum Champagner und zweitens, die Tatsache, dass der Boden im Süden Englands wesentlich günstiger sein soll als in der Champagne (und nicht so knapp, wie in dem relativ kleinen Anbaugebiet).
Für jeden Hektar in der Champagne müsse man bis zu einer Million Euro zahlen, wird dort berichtet. Und weil die gleiche Anbaufläche in Südengland schon für 30.000 Euro zu haben ist, prüfen führende Champagnerhäuser bereits Böden und Hanglage jenseits des Kanals. Dort fände sich auch die gleiche säurehaltige Kalkschicht wie in der Champagne, wo man mit Erweiterungen an Grenzen stößt. Manche Winzer in England produzieren offensichtlich bereits seit einiger Zeit Schaumwein nach der Champagnermethode - müssen das Produkt aber freilich anders benennen.
Voraussetzung für einen Sprung über einen Kanal, so zitiert die SZ einen Experten: “Es müsste in Kent so warm bleiben, wie es in Bordeaux vor 30 Jahren war”.
Schaun mer mal.




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