Genussreise mit einem “Küchensklaven” – Bill Buford: Hitze
Hitze. Abenteuer eines Amateurs als Küchensklave, Sous-Chef, Pastamacher und MetzgerlehrlingHier schreibt einer mit Leidenschaft. Schon aus dem Untertitel erkennt man, dass der Mann was erlebt hat: Als Küchensklave und Pastamacher, Postenkoch und Metzgerlehrling. Die Leidenschaft gilt dem Kochen, der Zubereitung. Und zunehmend auch den guten Zutaten dafür. Doch der Reihe nach.
Schon das Titelfoto ist ein Hingucker: Der Autor, ein lebendiges Schwein auf der Schulter, sieht in seinen Kühlschrank. In der schwach ausgeleuchteten Szene akzentuiert das Kühlschranklicht sein Gesicht. Und der Titel “Hitze” will einem auch nicht gleich in den Kopf, schließlich greift der Mann ja in die Kälte.
Der Autor Bill Buford versteht es, sich in Szene zu setzen. Zuletzt war der Journalist Litraturredakteur beim angesehenen US-Magazin “New Yorker”. Dann, so erzählt es die Legende, schmeißt er einen der besten Jobs hin und schuftet sich durch die Sterneküche seines Idols, des Kochs und Restaurantbesitzers Mario Batali.
Schon bevor das Buch bei uns auf den Bestenlisten nach oben kletterte hatte der Bill Buford die Aufmerksamkeit der Medien und war mit seiner Buchvorstellung von “Hitze” in fast allen Zeitschriften. Inzwischen sind auch die Leser auf den Geschmack gekommen, zu Recht: Der Mann hat was erlebt und er hat was zu erzählen.
Ein “Amateur”, wie er sich selbst bezeichnet war er bestenfalls vor seinem kulinarischen Ausflug in New York und Italien beim Thema Kochen. Als Autor hat er bereits ein aufsehenerregendes Buch über englische Holigans abgeliefert – natürlich auch von innen heraus, aus der Szene heraus, und nicht vom Schreibtisch.
Auf rund 380 kurzweilig zu lesenden Seiten berichtet er nun von seiner ersten, etwas frechen Einladung an einen Sternekoch zum Essen bis hin zur monatelangen Arbeit bei einem toskanischen Metzger. Das Buch schildert gleichzeitig auch den Werdegang des Sternekochs Mario Batali, der gerade zu Beginn immer wieder zwischen den “Erlebniskapiteln” beschrieben wird. Was fesselt sind jedoch vor allem die detailgenauen Schilderungen von Bufors Erfahrungen in den Küchen: Die Brandblasen am Herd, der Stress am Grill, wohin er nach wochenlanger Sklavenarbeit aufgestiegen ist. Und der rasche Abstieg durch einen schlichten Fauxpas.
Aber Buford lässt sich nicht unterkriegen, taucht ein in die Welt, in der Köche Helden sind und Perfektion ein Muss. Das Ergebnis seiner Genussreise ist gespickt mit Einblicken in die Werkstätten der besten des Fachs. Und trotz aller Widrigkeiten und Wendungen bleibt es spannend bis zum Schluß, witzig und leidenschaftlich. Und es macht Lust aufs Nachkochen, Ausprobieren und Entdecken.
Den Grund für das Buch erfährt man übrigens ganz nebenbei: Noch als Redakteur beim New Yorker gelang es Buford nicht, jemanden zu finden, der ein Porträt über das “Babbo” und seinen Küchenchef Mario Batali zu schreiben. Im Nachhinein kann man das wohl als Glücksfall betrachten.
Wer sich einstimmen möchte, der sollte auch die (deutsche) Website des Autors besuchen: www.bill-buford.de. Dort gibt es auch Leseproben.









