Bioweine aus Ungarn: Weingut Wassmann

Warum ausgerechnet Ungarn? Diese Frage hat Susanne Hanauer nun schon sehr oft gehört. Zusammen mit ihrem Mann Ralph Waßmann ging sie 1988 in das ungarische Top-Weinbaugebiet Villány-Siklós. “Ich bin Juristin, war aber schon im Marketing für Bordeaux-Weine tätig”, berichtet sie. “Und mein Mann hatte bereits im Weingut gearbeitet und wollte nun sein eigenes Weingut, sein eigenes Terroir.”
Sie kauften einen Schwabenhof, pflanzten in Südhanglage Chardonnay und Olaszrizling und daneben noch Oportó, der heute aus gesetzlichen Gründen Portugieser heißen muss. Sie kämpften mit den Behörden, erweiterten, pflanzten weitere Sorten an und meldeten sich 2003 erstmals zur Zertifizierung als Ökoweingut an.
All das hätte in Deutschland sehr viel einfacher sein können: Behördlicherseits war und ist Bioweinbau in Deutschland kein Problem. Hinzu kommt, dass man hier die Hilfe von Beratern und Verbänden in Anspruch nehmen kann. Ja, auch die Kollegen und Mitbewerber unterstützen sich gegenseitig. Und in Ungarn?
“Wir waren ja die ersten, die das machten”, erinnert sich Susanne Hanauer. Ihr Mann hatte zwar in Deutschland bereits Erfahrungen im Bioweinbau gesammelt, und auch der deutsche Berater Uwe Hoffmann unterstützte die Deutschen in Ungarn. Aber letztlich waren sie doch Einzelkämpfer – was freilich nicht so bleiben soll: “Wir werben hier bei unseren Kollegen für den Bioweinbau und haben bereits einige Anhänger gefunden”, so Hanauer. Drei Winzer haben sich bereits zur Bio-Zertifizierung entschlossen, ein Betrieb wird von ihnen beraten – auf diese Pionierleistungen und die bereits erfolgte Anerkennung des Bioweins in Ungarn sind die deutschen Biowinzer stolz.

Ihr Ziel ist es, sich bei den ungarischen Erzeugern in Villany in der Spitze einzureihen, dem Bioweinbau zur Ausbreitung zu verhelfen und später vielleicht sogar einen eigenen Verband zu gründen. Lokal haben sie bei ungarischen Verkostungen auch schon gute Ergebnisse vorzuweisen, am internationalen Vergleich haben sie sich bislang nicht beteiligt. “Villany ist für uns das Maß der Dinge”, so Susanne Hanauer, die auch diplomierte Weinprüferin ist.
Auch die Vermarktung geschieht ausschließlich an Privatkunden. Um hier in den Handel zu gelangen, “dafür sind wir zu klein”. In Deutschland gibt es den Waßmann-Wein in einem Bioladen in Berlin und über die deutschsprachige Website www.weingut-wassmann.de. Ein gut gestalteter, professioneller Auftritt erleichtert ihnen die Vermarktung.
Und welche Hürden gibt es für ungarischen Biowein in Deutschland? “Vom Geschmack her keine”, meint die Weinprüferin: Die Villaner Weine seien sehr elegant, die Weinsorten nicht vollkommen fremd: Der Olaszriesling, auch Welschriesling oder italienischer Riesling, ist nicht so weit vom deutschen Pendant entfernt. Auch der Portugieser ist bei uns kein Unbekannter und hinter dem (in Villany ausgezeichnete) Kékfrankos verbirgt sich mit Lemberger bzw. Blaufränkisch auch ein alter Bekannter. Medaillen errungen haben auch die weißen und roten Cuvées.
Einen Schub bei der deutschen Vermarktung erhoffen sich die engagierten Biowinzer jetzt von den positiven Bewertungen, unter anderem beim Weinportal Wein plus. Ihre Zukunftsperspektive ist nicht das große Wachstum der Flächen in den nächsten Jahren: “Wir wollen, dass Villaner Bioweine auch international bekannter werden”.









