Erfolg auf Facebook – Erfolg im Weinverkauf?

Facebook-Seite von yellow tail

Warum das neue Jahr 2012 an dieser Stelle nicht mal so beginnen, dass jeder gleich ein paar gute neue Vorsätze fassen kann? Mario Scheuermann hat ein Faible für Zahlen und Statistiken und veröffentlicht auf seiner Website “the drink tank” immer wieder schöne Fleißarbeiten, aus denen seine Leser viel Nutzen ziehen können. Die aktuellste lautet Die erfolgreichsten Weinmarken auf Facebook 2012.

Die Zahlen dort sind wirklich beeindruckend: Große Weinmarken, vorwiegend in den USA, bringen es seiner Statistik nach auf bis zu fast 300.000 Fans (yellow tail aus Australien). Zum Vergleich: Internationale Weinmarken mit ein paar Tausend Fans gelten schon als erfolgreich. Die meisten Weingüter – die damit natürlich nicht vergleichbar sind – bringen es höchstens auf wenige hundert Fans.

Trotzdem: Können Weingüter, Biowinzer, Winzergenossenschaften aus diesem Zahlenwerk etwas lernen? Oder können Sie nur resignieren, weil als Marketing-Instrument Facebook und Social Media generell eben nur den „Großen” nützt, die hauptamtliche Mitarbeiten alleine für diese Aufgabe abstellen?

Kommt drauf an: Familiengeführte Weingüter in den USA bringen es auch schon fast auf 10.000 Fans. Ob da ein Mitarbeiter extra für diese Aufgabe abgestellt wird? Und was hat man denn nun davon, wenn man als Weingut 100 Fans hat oder 10.000?

Auch wenn sich Michael Pleitgen von der Berliner Weinakademie ebenfalls damit beschäftigt, ob Social Media und die Weinbranche 2012 zueinander finden – meiner Ansicht nach beantwortet sich die Frage von selbst: Wenn Winzer, Weingutsbetreiber, Weinvermarkter einen Draht zu dem Medium haben, wenn sie sich mit Facebook und Google+ beschäftigen, wenn sie twittern und sich über die Trends im Internet nicht nur auf dem Laufenden halten, sondern mitmachen, dann haben sie nach meiner Einschätzung gute Chancen.

Sie werden vielleicht nicht die Anzahl von Fans erreichen, wie große Marken. Aber sie werden uns dafür vielleicht auch mit dem ganzen Marketing-Gedöns verschonen, das wir alle so über haben und vor allem unter dem Label ”Social Media” gar nicht haben wollen: Mit der nichtssagenden, meist ziemlich protzigen Selbstdarstellung, mit Werbesprüchen und Gewinnspielen, bei denen wir eh nix gewinnen, sondern nur unsere Daten hinterlassen.

Und was immer wir auch von den ”Großen” der Branche geschenkt bekommen, wenn wir auf was ”Gefällt mir” klicken: Ich brauche es sehr wahrscheinlich nicht.

Wenn es dagegen die nächste Generation von Winzerinnen und Winzern schafft, über die Website und über Social Media einen Draht zu Kunden und Interessenten aufzubauen, dann sind auch scheinbar kleine Zahlen ein gutes Zeichen. Wer etwas zu sagen hat, dem kann erst einmal egal sein, ob das nur ein paar hundert oder ein paar tausend potenzielle Kunden verfolgen, finde ich.

Wer nichts zu sagen hat, wer nicht weiß, was mitteilenswert und interessant ist und wie man es gut darstellt, (und das scheint mir die große Mehrheit zu sein) der braucht wegen mir nicht twittern und kann auch auf Facebook verzichten. Vielleicht ist es dann wirklich besser, wenn das dann Profis in Auftragsarbeit machen: Das mag vielleicht als weniger authentisch gelten, ist aber sicher doch etwas effiktiver für all diejenigen, die das mitverfolgen wollen.

Einen Erfolg messen zu wollen bei Social Media Aktivitäten, das ist sicher eine hervorragende, auch wissenschaftliche Aufgabe. In manchen Bereichen, in der Industrie, bei Konzernen, mag das vielleicht Sinn machen. Bei den Anbietern, die mich interessieren, sind soziale Aktivitäten eben was soziales. Freundlichkeit, Aufgeschlossenheit, Weltoffenheit, Kommunikationsfähigkeit: Wer das hat und wer das ausdrücken kann, der kann das auch über verschiedene Kanäle kommunizieren.

Wer das nicht hat und nicht ausdrücken kann, der kann sich ja auch mal die US-Fanpage von Coca Cola anschauen: 36 Millionen Fans. Was dort an der Pinwand steht, das wünsche ich keinem für seine Facebook-Seite. (Und um die Dinge wieder auf regionale Maßstäbe herunterzubrechen: Auch die deutsche Coca-Cola-Facebook-Seite hat “nur” 3,7 Millionen Fans. Hier die größten deutschen Marken auf Facebook.

Oder anders gesagt: Meine liebsten und besten Facebook-Seiten haben wenig zu tun mit hohen Fan-Zahlen. Wie bei allen anderen Medien bleiben auch hier nach Abzug des großen Bling-Bling letztlich nur die Inhalte, die zählen.

Eine Reaktion zu “Erfolg auf Facebook – Erfolg im Weinverkauf?”

  1. Wein auf Facebook – mehr Seiten, trotzdem wenig Wirkung

    [...] schreibt Scheuermann im DrinkTank. Fanzahlen sind nicht der Maßstab aller Dinge, meint Joachim Ott auf Beste Bioweine. Sind sie leider doch – denn auf Facebook ist die erste Voraussetzung für die [...]

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