Der Ratgeber: Gary Vaynerchuk

Man muss auch mal zugeben können, wenn man falsch liegt. Ich entsinne mich, dass ich an dieser Stelle schon früh auf Gary Vaynerchuk hingewiesen habe. Auf seine frühen und sehr erfolgreichen Videos bei winelibrary.tv, auf diverse andere Auftritte im Internet. Und dass ich mich mit dieser Art nicht recht anfreunden konnte: Verkaufen mit großem Auftritt und schnellem Mundwerk war und ist nicht mein Ding, das muss – erst recht beim Thema Wein – auch etwas subtiler gehen.

Aber (und daran merkt man erst, wie lange man mit dem Thema Wein im Internet dabei ist) aus Gary Vaynerchuk hat sich in den vergangenen Jahren so viel mehr entwickelt, als ein guter Verkäufer und Promoter. Natürlich ist er das immer noch, aber inzwischen ist ein Aspekt hinzugekommen, den ich sehr schätze. Heute leitet er ein Unternehmen mit sehr vielen Mitarbeitern und ist vor allem im Bereich Social Media als Berater tätig. Und mit dem gleichen Engagement, mit dem er früher Weine anbot, will er heute darüber informieren, wie das Internet und seine Benutzer ticken.

Kaum einer hat die verschiedenen Social Media so aufmerksam verfolgt und so erfolgreich bedient wie er. Jetzt er gibt der Internet-Gemeinschaft sehr viel zurück: Ratschläge und Strategien, die erprobt und erfolgreich sind.

Der Kampf um Kunden: So landen Sie gezielte Treffer mit Facebook, Twitter & Co Sein Buch „Jab, Jab, Jab, Right Hook” ist inzwischen auch in deutscher erschienen unter dem etwas profan klingenden Titel Der Kampf um Kunden. Dort sind für jeden Social Media Bereich eine Analyse und viele Empfehlungen so beschrieben, dass auch als interessierter Laie das Lesen Spass macht und konkrete Hilfestellungen bringt. Am besten finde ich noch immer die Grundeinstellung, die im englischsprachigen Titel viel besser rüberkommt: Jab, jab, jab, das sind im Boxsport drei Gerade, dann erst kommt der rechte Haken, der den Gegner ausknocken soll.

Naja, ganz so kämpferisch gehts nicht wirklich zu. Im übertragenen Sinn bedeutet es vielmehr, dass wer im Internet unterwegs ist erst einmal (dreimal oder sehr viel öfter) etwas geben muss, bevor er von seiner Anhängerschaft etwas fordert. Eine sehr sympathische Einstellung, auch wenn sie natürlich trotzdem sehr kommerziell ist. Dennoch: Viel zu oft stößt man auf Webseiten neuer Firmen, Weingüter, Händler, die offensichtlich denken, Facebook, Twitter und Co, sind nichts anderes als reine Werbeplattformen.

Ob man das Buch kaufen muss (das jetzt auch schon zwei Jahre auf dem Markt ist und noch immer sehr aktuell), oder ob man sich übers Internet die zahlreichen Auftritte und Videos zusammen sucht, ist Einstellungssache. Tatsache ist, es gewinnbringend und hilfreich, ihm zuzuhören. Dass all die Nachahmer letztlich nur seine etwas aufgeregte Präsenz in Videos übernommen haben (er war in dieser Hinsicht wirklich „stilbildend“, wenn man das mal so formulieren darf) und viele die von ihm heute propagierten Ideen nicht übernommen haben, ist ein anderes Thema.