Vegane Bioweine: gar nicht so selten

Diese beiden Vegan-Label hebt die Hamburger Verbraucherzentrale hervor.

Diese beiden Vegan-Label hebt die Hamburger Verbraucherzentrale hervor.

Vegan und vegetarisch sind die beiden großen Trends bei den Ernährungsthemen. Seit einiger Zeit findet man immer öfter auch Weine und Bioweine mit dem Vermerk „vegan”. Dabei war den meisten Verbrauchern bislang wahrscheinlich gar nicht klar, das Weine auch nicht vegan sein können, also tierische Bestandteile enthalten können.

Seit den jüngsten Änderungen der EU-Lebensmittel-Informationsverordnung (LMIV) müssen auch bei Bioweinen noch umfangreichere Angaben gemacht werden, zum Beispiel über Zusatzstoffe und Allergene. Davon sind auch die Online-Shops der Bio-Weingüter betroffen, man kann sich also leicht im Internet informieren.

Wer nach Informationen über die Deklaration und Kontrolle für diese Kennzeichnung sucht wird bei der Hamburger Verbraucherzentrale fündig, die auch eine Merkblatt dazu bereitstellt (Download als PDF). Demnach gibt es eine Zertifizierung vom Vegetarierbund (VEBU), der sich an die transparenten Kriterien der European Vegetarian Union hält.

Im Wein können theoretisch vier Allergene, die im Wein enthalten sein: Das sind zum einen drei verschiedene Eiweißarten, die aus Milch, Ei oder Fisch gewonnen werden, aber nur theoretisch zum Einsatz kommen. Bei den Öko-Anbauverbänden sind keine Weingüter bekannt, die diese Stoffe deklarieren. Ein viertes mögliches Allergen im Wein ist Schwefel.

Milcheiweiß Kasein zum Beispiel kann beim Ausbau der Bioweine verwendet werden, um die Gerbstoffe geschmacklich „abzurunden”. Aber, so weiß Paulin Köpfer vom Heitersheimer Weingut Zähringer: „Wenn von der Lese bis zur die Weinbereitung äußerst schonend vorgegangen wird, kann man darauf verzichten”. Und so berichtet Köpfer, so dass die Kennzeichnung der Weine mit dem Zusatz „enthält Milch” tatsächlich fast nirgends mehr anzutreffen ist.

Ähnliches gilt für den Eiweißstoff Albumin, das zur Klärung der Weine verwendet wird: Nach Zugabe flocken die Trubstoffe aus und setzen sich am Boden ab, der Wein wird klarer. Alternative sind pflanzlichen Produkte, so dass Kennzeichnung mit dem Zusatz „enthält Ei” ebenfalls kaum vorkommt.

Erst recht gilt das für Eiweiß, das aus Fisch gewonnen wird, und schon seit einiger Zeit nicht mehr eingesetzt werden: Die Bezeichnung „enthält Fisch” wirkte gar zu abschreckend auf Winzer. Die Hausenblase ist die getrocknete Schwimmblase einer Störart und findet bei Biowinzern nach Köpfers Darstellung heute keine Verwendung mehr.

Für alle diese Stoffe gilt, dass man sie durch nicht allergene Stoffen ersetzen kann oder durch das planvolle Vorgehen der Winzer von der Lese bis zur Kellerwirtschaft. Die stetig wachsende Anzahl veganer Weine belegt, dass viele Winzer diesen Weg schon erfolgreich beschritten haben. Neben den tierischen Eiweißen wird bei veganen Weinen auch auf Gelatine verzichtet, die ebenfalls zur Klärung der Weine eingesetzt wird, aber gut durch pflanzliche Proteine ersetzt werden kann.

Wer seinen Wein noch unbelasteter von fremden Substanzen genießen möchte, der kann darüberhinaus nach Winzern Ausschau halten, die auf Sulfite zu verzichten: Ihr Gehalt liegt bei Bioweinen 30 Prozent unter den gesetzlichen Vorgaben und der absolute Gehalt schwankt je nach Rebsorte und Qualitätsstufe. Generell gilt: Je mehr Restzucker ein Wein hat, desto mehr Schwefel muss zugesetzt werden.

Sulfite haben drei Wirkungen: Sie binden Gärungsprodukte ab, sie wirken konservierend und sie bilden einen Oxidationsschutz: Geschmack, Farbe und Aroma bleiben also länger erhalten, der Wein verliert weniger von seiner Frische.

Und auch hier gibt es bereits Bio-Winzer, die durch schonende Verfahren ganz auf Sulfite verzichten können. Allerdings werden dadurch die Lagerfähigkeit und einige Geschmackseigenschaften der Weine eingeschränkt, so Köpfer. Und: Ganz schwefelfrei seien auch diese Weine nicht, denn bei der Gärung entstehe ebenfalls Schwefel, wenn auch deutlich weniger, als normalerweise zugesetzt wird.

Der Zusatz „enthält Sulfite” wird also voraussichtlich weiterhin bei den meisten Weinen zu finden sein.

Nächster Schritt bei der Aufklärung der Verbraucher könnte die Nährwertdeklaration für Wein sein. Sie soll ab dem 13. Dezember 2016 kommen. Dann sollen Verbraucher auch erfahren, wie viel Fett, Eiweiß und Kohlehydrate ein Wein enthält.

2 Reaktionen zu “Vegane Bioweine: gar nicht so selten”

  1. bestebioweine.de: Vegane Bioweine

    [...] bestebioweine habe ich eben einen kurzen Artikel über das Thema vegane Bioweine veröffentlicht: Vegane Bioweine: gar nicht so selten | . Dafür gibt es nun auch ein Label und man kann als Winzer seine veganen Weine zertifizieren [...]

  2. Zunehmend mehr vegane Weine

    [...] bestebioweine.de ist ein kurzer Abriss zum Thema vegane Weine veröffentlicht. Zunehmend mehr Bioweine tragen dieses [...]

Einen Kommentar schreiben

Kommentare per RSS Feed verfolgen