Regen macht den Biowinzern zu schaffen

„Die Bioweinbaubetriebe in Baden- Württemberg und in Deutschland brauchen kurzfristige Hilfe und eine Perspektive“. Dies hat Baden-Württembergs Minister Peter Hak jetzt in einer Pressemitteilung zur aktuellen Situation der Biowinzer geschrieben.

Hauk redet von einer „Krisensituation bei der Bekämpfung des Falschen Mehltaus”: Die anhaltenden Niederschläge der letzten Wochen hätten in den Bioweinbaubetrieben in Baden-Württemberg und in Deutschland dazu geführt. Wegen der Witterungssituation in den letzten Wochen sei es vielfach unmöglich, mit den bestehenden Bekämpfungsverfahren die Rebflächen im ökologischen Weinbau gesund zu erhalten. Bund, Länder und Verbände müssen deshalb gemeinsam die Betriebe unterstützen“, sagten Weinbauminister Peter Hauk MdL und Norbert Weber, Präsident des Deutschen Weinbauverbandes bei einem Gespräch mit den Öko- und Weinbauverbänden

Anhaltende Niederschläge sorgen für Krise

Ursache für die schwierige Situation in den Bioweinbaubetrieben seien zum einen die starken Niederschläge der letzten Wochen und zum anderen, dass Kaliumphosphonate aktuell im Bioweinbau nicht mehr zur Bekämpfung der Rebenperonospora eingesetzt werden dürfen. Der Einsatz von Kaliumphosphonaten war bis 2013 als Pflanzenstärkungsmittel erlaubt. Auf EU-Ebene wurde diese Stoffgruppe danach als Pflanzenschutzmittel gelistet und ist damit aus der Anwendung für Biobetriebe her- ausgefallen.

Damit habe man den ökologisch wirtschaftenden Weinbaubetrieben in den niederschlagsreichen mitteleuropäischen Regionen den Boden für eine nachhaltige Bewirtschaftung der Rebflächen in schwierigen Jahren entzogen. Nur mit Kupfer kann in solchen Jahren die Rebenperonospora in Deutschland nicht ausreichend bekämpft werden. Baden-Württemberg werde deshalb zusammen mit den Verbänden einen neuen Vorstoß in Brüssel machen, um mittelfristig die Zulassung von Kaliumphosphonat zu erreichen.

Retter Kaliumphosphonat?

Für die derzeitige Situation der Winzer dagegen kommt dieser Schritt zu spät: Die auf europäischer Ebene erforderliche Rechtsanpassung werde kurzfristig nicht möglich sein.

„Der Ökoweinbau ist bei der Bekämpfung des Falschen Mehltaus der Rebe in einer Krisensituation, die die Betriebe selbst nicht zu vertreten haben und die es in dieser Form bislang so nicht gab“, sagte Minister Peter Hauk. „Biobetriebe, die aufgrund der aktuellen Situation stark gefährdete Teilflächen des Betriebs aus der Bioproduktion herausnehmen und mit Kaliumphosphonat behandeln, sind aufgefordert, dies zuvor an das Staatliche Weinbauinstitut in Freiburg bzw. an die Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau in Weinsberg zu melden sowie die Ökokontrollstelle zu informieren“. Der Minister stellte klar: „Weine die aus Trauben dieser Flächen produziert werden, dürfen nach aktueller Rechtslage nicht als Bioweine vermarktet werden.“

Ertragseinbußen oder Umstellung

Die Folge: Die Bio-Betriebe verlieren damit ihre Bio-Zulassung und es beginnt erneut die dreijährige Umstellungsfrist, bis dann wieder biologisch deklarierte Weine vermarktet werden können. Für die Biowinzer, die sich im Laufe von Jahren und Jahrzehnten einen bio-orientierten Kundenstamm aufgebaut haben, bedeutet das schwere Einschnitte.

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