Was bedeutet Bioweinbau?

Bioweinbau

Zugegeben: Es ist etwas spät für diese Frage. Dieses Blog ist mitten hinein gesprungen in das Thema. Die Grundlagen, so könnte man meinen, finden sich leicht an anderer Stelle. Aber um Interessenten nicht alleine zu lassen mit dem Hinweis auf eines der zahlreichen Logos, die für biologisch angebauten Wein garantieren, folgt hier noch einmal eine kurze Zusammenfassung.

Biologischer Weinbau bedeutet zunächst einmal den Verzicht auf chemisch-synthetische Spritz- und Düngemittel und auf leicht löslichen Minderaldünger. Biowinzer betrachten ihren Rebberg als ein Ökosystem, das sich im Gleichgewicht befinden sollte: Die Tier- und Pflanzenvielfalt im Rebberg werden gefördert, Schädlinge werden gegen Nützlinge eingesetzt. Pestizide und Herbizide haben im Bioweinberg nichts zu suchen.

Bioweinbau ist aber nicht konvetioneller Weinbau ohne Chemie, er ist ein eigenes Anbausystem. Im Vordergrund steht dabei nicht der (chemische) Pflanzenschutz, sondern die Pflanzengesundheit. Wichtigste Grundlage für gesunde Reben ist ein gesunder, gut durchstrukturierter Boden. Die Rebberge werden planmäßig begrünt mit Pflanzenmischungen, die die Vielfalt im Rebberg fördern sollen. Jedes Gewächs hat dabei eine wichtige Aufgabe: Phacelia zum Beispiel gilt als Bienenweide, andere Pflanzen werden zur Nährstoffanreicherung eingesetzt oder sollen durch ihr Wurzelwerk den Boden lockern.

Doch der Verzicht auf chemische Spritz- und Düngemittel bedeutet nicht, dass Biowinzer nicht spritzen würden: Zum Einsatz kommen vielmehr biologische Spritzmittel, die in Boden und Trinkwasser keinen Schaden anrichten. Rebstöcke und Trauben verdanken ihre Gesundheit der gezielten Förderung der Widerstandskräfte der Pflanzen. Die Reben erhalten ihre Nährstoffe vorwiegend über die Aktivierung des Bodens.

Sinnvollerweise ist diese Arbeitsmethode nicht auf Höchsterträge ausgerichtet. Dem erhöhten Arbeitsaufwand – beispielsweise für die Erhaltung der Pflanzengesundheit – stehen also geringere Erträge gegenüber. Diese Ertragsreduzierung aber ist gleichzeitig – wie bei allen Winzern – Voraussetzung zur Erzielung bester Qualitäten.

Durch den Verzicht auf schnell wirkende, “heilende” Mittel tragen die Biowinzer ein größeres wirtschaftliches Risiko als ihre konventionell arbeitenden Kollegen. Ihr Augenmerk gilt schon allein deswegen mehr der Prävention. Das seit Jahren angesammelte und weiterentwickelte Fachwissen für einen Bioweinbau ohne Chemie trägt Früchte: In Arbeitskreisen und im persönlichen Erfahrungsaustausch werden die Informationen weitergegeben und auch konventionelle Winzer haben viel von den einst so „neuen“ Methoden übernommen, wie zum Beispiel die Begrünung der Rebberge.

Um selbst auf den Einsatz biologischer Spritzmittel verzichten zu können fördern Biowinzer den Einsatz sogenannter pilzwiderstandsfähiger Rebsorten (Piwi). Sie sind – mehr oder weniger – resistent gegen die Hauptgefahr für Bioreben: die Pilzerkrankungen wie echter oder falscher Mehltau. Diese neuen Rebsorten haben jedoch den Nachteil, dass sie dem Verbraucher bislang unbekannt sind und damit erklärungsbedürftig.

Fester Bestandteil des Bioweinbaus ist die Kontrolle: In der Regel übernimmt der jeweilige Anbauverband (Ecovin, Demeter, Bioland, Naturland) oder – wenn zum Beispiel ein Winzer nicht Mitglied in diesen Anbauverbänden ist und nach EU-Richtlinie wirtschaftet – eine beauftragte Kontrollstelle diese unangekündigten Kontrollen in Keller und Weinberg. Die Kontrollstelle ist auf dem Etikett vermerkt.

KontrollstelleUnd damit schließt sich der Kreis: Tatsächlich genügt hierzulande ein Blick aufs Etikett. Ist eines der Verbandslogos, zum Beispiel von Ecovin, Bioland, Demeter oder Naturland abgebildet, dann sind Sie ebenso auf der sicheren Seite wie mit dem sechseckigen Öko-Signet nach EU-Verordnung. Und selbst wenn diese Zeichen fehlen genügt die Angabe der Öko-Kontrollstelle, die übrigens auch bei ausländischen Bio-Weinen stets angegeben werden muss.

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