Biologisch-dynamischer Weinbau

Biologisch-dynamisch - nach Mondphasen

Biologisch, biologisch-organisch, biologisch-dynamisch – alles eins, oder? Eben nicht! Zumindest nicht für den Winzer. Für den Verbraucher bedeutet es in der Tat dasselbe: Biologischer Wein, erzeugt nach strengen Richtlinien und kontrolliert. Voraussetzung ist eines der Logos und die Angabe der Kontrollstelle. Ob der Winzer nun biologisch-organisch arbeitet oder biologisch-dynamisch lässt sich allerdings nicht hundertprozentig erkennen: Einzig die Mitglieder des Demeter-Verbandes arbeiten ausschließlich biologisch-dynamisch, alle anderen dürfen beides.

Im Prinzip ist der biologisch-dynamische Weinbau eine eher anthroposophisch ausgerichtete Variante des biologischen (oder genauer gesagt: biologisch-organischen Weinbaus), wie er hier bereits beschrieben wurde.

Die Grundsätze sind auch hier gleich, in Stichtworten: Verzicht auf chemisch-synthetische Spritz- und Düngemittel, Berücksichtigung des Ökosystems Weinberg, Förderung der Tier- und Pflanzenvielfalt etc. Unter den verschiedenen biologischen Anbauverbänden ist es der Demeter-Verband, der den Schwerpunkt auf biologisch-dynamische Verfahren legt. Er beruft sich auf die Lehren des Anthroposophen Rudolf Steiner.

In der Praxis spielt dabei der Einfluss des Mondes eine wichtige Rolle: Die – teilweise homöopathisch eingesetzten – natürlichen Wirkstoffe werden bei der „richtigen“ Mondkonstellation angesetzt, werden oft lange Zeit gerührt (dynamisirt) und zum richtigen Zeitpunkt ausgebracht. Typisch für den biologisch-dynamischen Landbau ist auch der Einsatz spezieller Präparate aus Heilkräutern, Mineralien und Kuhdung, wie zum Beispiel Hornmistpräparaten. Meist werden diese Präparate auf den Höfen selbst hergestellt und sehr fein dosiert eingesetzt. Nach der biologisch-dynamischen Lehre wirken sie nicht durch die Menge, sondern durch die feinstoffliche Information.

Das alles bedeutet freilich, dass diese Verfahren sich der gleichen Skepsis ausgesetzt sehen, die zum Beispiel auch der Homöopathie entgegenschlägt. Wenn auch auf der einen Seite der Erfolg der Steinerschen Prinzipien naturwissenschaftlich schwer zu beweisen ist, so spricht auf der anderen Seite doch dafür, dass viele Biowinzer auf diese Weise erfolgreich gute Weine erzeugen – mit deutlich geringerer Umweltbelastung.

3 Reaktionen zu “Biologisch-dynamischer Weinbau”

  1. Matthias Metze

    Der Erfolg biodynamischer Methoden ist wissenschaftlich nicht nachweisbar – was nicht bedeutet, dass er nicht empirisch belegbar wäre…
    Was ich schon früher bei anderen landwirtschaftlichen Produkten festgestellt habe, gilt auch hier: biodynamisch erzeute Produkte haben oft (nicht immer) das “gewisse Etwas”, ein Quäntchen mehr Qualität… Weine zeigen ausgeprägt ihr Terroir.
    Wer die Entwicklung im Weinbau verfolgt, weiss: es gibt, v.a. in Frankreich, einige renommierte Winzer, die biodynamisch arbeiten (allen voran der legendäre Nicolas Joly), aber auch in Deutschland stellen einige bekannte Winzer, die bislang konventionell gearbeitet hatten, auf biodynamisch um – nicht aus ideologischen Gründen, sondern der Qualität wegen!

    Daher will ich dem oben Gesagten widersprechen: organisch-biologisch oder biodynamisch macht auch für den Verbraucher einen Unterschied!

  2. jott

    Vollkommen richtig, Danke für die Ergänzung. So wie Sie das formuliert haben, kann ich das auch unterschreiben. Meine – offensichtlich etwas missverständlich formulierte – Aussage sollte vielmehr darauf hinweisen, dass die eine Methode (biologisch-dynamisch) nicht weniger wertvoll ist als die andere (biologisch-organisch).

    Auch wenn einige der Prinzipien wie die Berücksichtigung der Mondkonstellation oder “Homöopathie” im Weinberg sich nicht jedem Weintrinker erschließen: Die Steinerschein Grundsätze sind ja keine Alternative zum biologisch-organischen Weinbau in dem Sinne, dass die anderen Biokriterien außer Acht gelassen werden. Diese Grundsätze gelten ja hier genauso. Insofern sehe ich die biologisch-dynamischen Besonderheiten mehr als einen Zusatz.

    Dass es für den Verbraucher keinen Unterschied macht war mehr darauf bezogen, dass beide Systeme Mensch und Umwelt nutzen. Und es sollte gleich vorneweg klar machen, dass die eher weltanschauliche Prägung nicht die strikte Regelung wie zum Beispiel den Verzicht auf chemisch-synthetische Spritz-und Düngemittel ersetzt, sondern ergänzt.

  3. BIO-Steirer-WEIN

    Eine vierjährige Studie im Auftrag der EU (siehe http://www.qlif.org) mit 31 Instituten, die Ende letzten Jahres (10/2007) abgeschlossen wurde, hat den Erfolg von organisch-biologisch oder biodynamisch Anbau bewiesen.

    Ich hoffe, das damit endlich auch wissenschaftlich anerkannt wird, was “Bio” für den Verbraucher und die Umwelt bringt 😉