Pilzwiderstandsfähige Rebsorten (Piwi)

Regenttrauben

Echte Revolutionen spielen sich manchmal im Verborgenen ab. Bei Winzern kann dies zum Beispiel der zunehmende Umstieg auf pilzfeste Rebsorten sein. Doch statt den Verbraucher nun zu irritieren durch neue Weinnamen wie Johanniter, Regent oder Merzling setzen viele Biowinzer auf Cuvées, in denen sie die Weine der neuen Rebsorten verarbeiten: Selbst das Cuvée Nr. 1 oder ein klangvoller Phantasiename ist oft einfacher an Weintrinker zu bringen als die neuen Rebsortennamen.

Die zunehmende Beliebtheit der pilzwiderstandsfähigen Rebsorten gerade bei Biowinzern kommt nicht von ungefähr: Der Befall mit Pilzkrankheiten wie Echter oder Falscher Mehltaus ist eines der größten Risiken für den Biowein-Erzeuger. Abhilfe versprechen regelmäßige Spritzungen, die aber keine Sicherheit bieten. Je mehr die Witterung den Befall mit Pilzen fördert, umso häufiger müssen die Präparate des Biowinzers ausgebracht werden.

Plizwiderstandsfähige Rebsorten werden seit mehr als 150 Jahren gezüchtet, ihre Verwendung bringt viele Vorteile für den Winzer: So gibt es wahrscheinliche keine 100prozentige Resistenz gegen Pilzerreger, aber eine recht große Widerstandsfähigkeit, die in normalen Jahren ausreichen sollte und dem Biowinzer viele Spritzungen erspart.

Nach der Einschleppung des Mehltaus in Europa wurde vor allem in Frankreich versucht, resistente Sorten zu züchten. Dazu kreuzte man auf traditionelle Weise – also ohne Gentechnik – europäisch Rebsorten mit den resistenten, amerikanischen Arten. Seit Beginn dieser Züchtungsarbeit gegen Ende des 19. Jahrhunderts sind etliche Kreuzungen entstanden, die nicht nur für Biowinzer viele Vorteile haben:

  • Ihr Anbau ist umweltfreundlich und bringt Schutz ohne Chemieeinsatz
  • Sie verursachen weniger Spritzarbeit und erleichtern dadurch auch die Bewirtschaftung entlegenerer oder besonders steiler Parzellen
  • Weniger Traktorfahrten für Spritzungen bedeuten auch weniger Bodenverdichtung und Umweltbelastung
  • Die Sortenvielfalt wächst

Einige bekannte Namen sind Regent, Leon Millot und Marechal Foch im Rotweinbereich, sowie Johanniter, Merzling und Solaris im Weißweinbereich. Klarer Nachteil für den Biowinzer: Weine mit dieser Rebsortenbezeichnung sind – egal wie sie schmecken – schon alleine wegen ihres Namens schwer zu verkaufen und „beratungsintensiv“. Während der Name des Regent vielen Weintrinkern schon ein Begriff ist, behilft man sich bei anderen neuen Rebsorten teilweise damit, Cuvées mit bekannten Rebsorten (und vertrautem Geschmack) zu schaffen und diese Cuvées unter einem Phantasienamen zu vermarkten.

Wer mehr über die neuen Rebsorten wissen möchte, dem Sie die Website Piwi International ans Herz gelegt, die sich ausschließlich mit diesem Thema beschäftigt. Dort finden sich neben den allgemeinen Beschreibungen auch viele fachliche Infos sowie Listen von Rebsorten, Züchtern und Veredlern.

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