Nährwert-Ampel: Wieviel Aufklärung will oder braucht der Verbraucher?

Die Nährwert-Ampel

Die Geschichte geht nun schon in die x-te Runde, man könnte meinen, das Wohl der Menschheit oder die Existenz der Lebensmittel-Hersteller hängt daran: Eine Nährwert-Ampel könnte schon bald signalisieren, welche Lebensmittel aus dem Supermarkt uns gut mit den wichtigen Nährwerten versorgen – oder eben auch zu gut. Sprich: Zu viel Zucker und Fett in einem Produkt fallen einem durch die rot-gelb-grüne Kennzeichnung sofort auf.

Jetzt hat Frosta den ersten Schritt gemacht und druckt ab August die Nährwertampel freiwillig auf die Verpackungen von vorerst vier Produkten. Das macht das Unternehmen, das schon jetzt in seinen Tiefkühl-Produkten auf Konservierungsstoffe und Geschmacksverstärker verzichtet, zumindest in meinen Augen nochmal etwas sympathischer.

Worum geht es in dem Streit? Die Nährwertangaben sollen auf jede Packung. Die Industrie will mitmachen, will aber neben den Mengenangaben pro Portion nur den Anteil am empfohlenen Tagesbedarf gemäß der Industrie angeben. Im Klartext: Wenn ein Müslihersteller meint, 30 Gramm seines Produktes würden theoretisch ausreichen, dann stehen dort sehr geringe Werte. Und eben nur Zahlen.

Bei der Ampel nach WHO-Definition dagegen sind die Angaben nicht nur auf 100 Gramm bezogen und damit besser vergleichbar. Es erfolgt durch die Ampelfarben auch eine auf den ersten Blick erkennbare Bewertung. Wer also vier Mal rot sieht bei einem Produkt, der weiß, dass er mit dem Produkt ganz leicht mehr Fett, gesättigte Fettsäure, Zucker und Salz aufnimmt, als sein Körper braucht.

Was ist daran schlecht? Die Hersteller fürchten natürlich die abschreckende Wirkung der „roten“ Lebensmittel. Bislang gibt es das System nur in Großbritannien – und dort greifen die Kunden nach den ersten Erfahrungen tatsächlich lieber nach den „grünen“ Produkten. Die Folgen waren offensichtlich ganz unterschiedlich: Manche Hersteller änderten ihre Rezepturen. Und einige Kunden vergaßen im Laufe der Zeit ihre guten Vorsätze und kauften lieber wieder, was ihnen schmeckt, als eine gesunde Variante.

Gerade heute berichtet Spiegel Online, dass Verbraucher die Ampel-Kennzeichnung wohl besser verstehen als das Modell der Industrie. Berichtet wird aber auch, dass so schnell wohl keine Lösung in Sicht ist.

Auf der Website „das-ist-drin.de“ kann man sich für einige ausgewählte Produkte schon mal diese Form der Darstellung ansehen.

Eine Reaktion zu “Nährwert-Ampel: Wieviel Aufklärung will oder braucht der Verbraucher?”

  1. Steffen

    Ein Zitat des Branchenverbands Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde im besagten Spiegelartikel schlägt dem Verbraucher förmlich ins Gesicht:

    „Die Ampelkennzeichnung sei keine gute und hilfreiche Information für Verbraucher.“

    Auch gut zu wissen – Bevormundung trifft auf schlagkräftige Argumentation.
    Mir war gar nicht klar, wie böse und wenig hilfreich das Ampelsystem im Vergleich zur üblichen Angabe ist, bis es mir der BLL gesagt hat. Ich war doch auf Grund objektiver Betrachtung der lächerlichen Meinung, dass Transparenz in Produktbezug im Sinne des Verbraucher sei.

    Bleibt eigentlich nur zu hoffen, dass Frosta die Kennzeichnung konsequent und demonstrativ beibehält und nicht wie angekündigt wieder zurückzieht, sofern man allein damit bleibe.