Wein-VideoBlog: pierosini.com

Videoblog von Piero Sini

Ich muss zugeben, dass ich mit den Wein-Videos bisher nur wirklich wenig gute Erfahrungen gemacht habe. Aber vielleicht ist mein Geschmack einfach zu exotisch.

Auf Winzerseite gibt es eigentlich niemanden, der Videos kontinuierlich und informativ einsetzt. Ab und zu bekommen die Kinder mal eine Videokamera in die Hand gedrückt, das wars dann. Oder – das andere Extrem – man will wirklich mal was Großes, beauftragt eine Werbefirma und lässt ein 45-Minuten-Video auf DVD brennen, das sich natürlich niemand ansieht, schon gat nicht übers Internet.

Die wirklich erfolgreichen Video-Blogger sitzen sowieso auf der anderen Seite, der der Händler. Dazu zähle ich jetzt einmal den etwas aufgeregten Gary Vaynerchuk und auf deutscher Seite auch Hendrik Thoma. Beide verkaufen auch etwas, beide widmen sich in epischer Breite den Weinen, die sie auch selbst anbieten. Ist ja auch logisch und soweit nicht verdammenswert.

In diese Reihe gehört auch Piero Sini (VideoBlog www.pierosini.com), der erst seit kurzem seine Videos auch in englischer Sprache anbietet (mit den italienischsprachigen kann ich naturgemäß wenig anfangen). Bei ihm gibts statt dem Direkt-Verkauf einen Link zu den Anbietern und am ehesten das, was ich einen journalistischen Ansatz nennen würde: Er besucht die Winzer vor Ort, stellt natürlich zuallererst auch die Weine vor, aber eben auch die Betriebe, Landschaft etc.

Offensichtlich sind sich alle einig, dass Wein-Videos dieser Art ohne Gestik und Sprachstil ihres großen amerikanischen Vorbildes nicht auskommen. Und: Die professionelle Arbeitsweise und der größere Aufwand scheint es auch nötig zu machen, längere Episoden zu produzieren: 10 bis 20 Minuten muss man sich in der Regel schon Zeit nehmen.

Ich schaue demzufolge auch bei diesen Profis nur relativ selten herein und warte weiter auf Journalisten und Reporter, die auf Tour gehen, unaufgeregter arbeiten, den Mensch in den Mittelpunkt stellen und kürzere, aktuelle Episoden produzieren. Allerdings habe ich für dieses Konzept auch noch keinen Vorschlag, wie sich das refinanzieren ließe.

Eine Koppelung mit dem Weinverkauf halte ich generell für keine glückliche Lösung, wenn es journalistische Arbeit ist. Ein großer Sponsor, der sich im Hintergrund hält, wird sich kaum finden lassen. Und die Arbeitsweise aus der Frühzeit der Blogs („Wir machen das jetzt erst einmal rrichtig toll, und dann schaun mer mal, ob sich das auch lohnt”) verfolgt heutzutage kaum jemand mehr (oder kann es sich nicht mehr leisten).

Bliebe am ehesten die Gruppe, die ich zuerst genannt hatte: Winzer und Weingüter, Verbände und Kooperationen, die am ehesten den Spagat zwischen Eigeninteresse und Objektivität schaffen könnten und zudem noch über die nötigen Mittel besitzen, professionell an das Thema heranzugehen.

3 Reaktionen zu “Wein-VideoBlog: pierosini.com”

  1. Wein-Video mal anders: Wein-Punks aus Finland | bestebioweine.de

    […] kurzem hatte ich hier den Italiener Piero Sini vorgestellt, der mir durch seine professionellen Wein-Videos auffiel. Und weil er die seit kurzem […]

  2. Piero

    hi, danke für deinen beitrag. generell gebe ich dir recht, dass die videos manchmal etwas lang werden, was jedoch bei gästen wie rene barbier einfach ander nicht möglich ist. ich mein, solche persönlichkeiten haben echt eine menge zu berichten (über den wein mesitens) und da ist es für „barbier-fans“ meiner meinung nach besser wenn man die predigt komplett hören kann und nicht in drei minuten zerhackt.
    habe auch schon einmal darüber nachgedacht jeweils zu den langen videos eine „kurzversion“ zu erstellen. dann kann sich jeder sein video picken.
    ob winzer und weingüter wirklich objektiv wären, wenn sie eigene videos erstellen würden, wage ich zu bezweifeln. außerdem glaube ich nicht, dass viele winzer ein interesse haben geld für derartige videos auszugeben, wenn z.b. die meisten weine ausverkauft sind.
    anyway, danke für die anregungen! weiter so…
    piero

  3. jott

    Danke für die Rückmeldung!

    Eine Kurzversion wäre prima, aber natürlich auch in journalistischer Hinsicht immer ein Kompromiss. Schließlich will man ja seine ganze Arbeit an den Mann bringen. Die Winzer wären mit Kurzversion plus Langversion sicher zufrieden, denn das erhöht den Zuschauerkreis wahrscheinlich genauso wie die Umstellung auf englischsprachige Videos (die sich sicher auch in der Statistik niedergeschlagen hat).

    Ich mag Deine Arbeitsweise und finde die Videos – trotz der Länge – richtig gut. Bin gespannt auf weitere Folgen (natürlich auch auf die in deutscher Sprache).