Braucht man einen Weinkühlschrank?

WeinkühlschrankSpannende Frage. Als vor wenigen Jahren die teueren Kaffee-Vollautomaten gleich massenhaft in den Geschäften aufgetürmt wurden, da dachte ich mir auch: Das hast Du falsch eingeschätzt. Wer sollte schon 1000 bis 2000 Euro dafür ausgeben, das ihm ein Maschinchen eine Tasse Kaffee ausgibt? Für dieses Geld, so meine überschlägige Rechnung, könnte ich mich auch mit dem Taxi ins nächste Café fahren lassen (naja, zumindest eine ganze Weile lang).

Heute sind die teueren Kaffeemaschinen Standard und ehrlich gesagt haben auch wir unsere Schmerzgrenze für einen solchen Kaffeeautomaten erst unlängst wieder ein Stück heraufgesetzt (wir waren dabei allerdings noch weit unter der 1000-Euro-Grenze).

Und wie komme ich jetzt auf die Weinkühlschränke? Weil die zwar nicht ganz so massenhaft in Erscheinung treten wie die Kaffeevollautomaten, aber dennoch rapide zunehmen. Sogar beim Kaffeeröster gibts die preiswerten Exemplare, ein Zeichen für wachsende Popularität. Und die Versender haben bereits eine ganze Armada im Programm.

Zum Beispiel diesen hier (Weinkühlschrank bei Amazon), der immerhin 21 Flaschen aufnimmt und einen Stromverbrauch von 360 kWh im Jahr hat.

Bei Kosten von (in diesem Fall) gerade mal noch rund 220 Euro steht das Finanzielle gar nicht mal so sehr im Vordergund (sozusagen ein halber bis ein viertel Kaffeevollautomat). In meinem Kühlschrank kann ich die Temperatur auch sehr genau steuern, die empfohlenen 10 bis 18 Grad sind hier aber sehr unpraktikabel. Und die Flaschen für die kleine Weinprobe im kleinen Kreis bekomme ich hier noch gut unter, aber für größere Runden wirds knifflig.

Dass für wenig Geld offensichtlich schon viel geboten wird, belegen die guten Kundenrezensionen (die für mich in der jüngeren Zeit fast wichtiger geworden sind als Testergebnisse). Bleibt noch die Platzfrage: So schmuck die Dinger auch aussehen: Ein bißchen mehr Platz in der Küche brauchts da schon.

Und in punkto Umweltfreundlichkeit? Ein durchschnittlicher 4-Personen-Haushalt sollte mit 360 kWh knapp einen Monat auskommen. Ein Geschirrspüler der Energieeffizienzklasse A schafft im Standardprogramm mit dieser Strommenge rund 340 Durchgänge. Eine Waschmaschine mit 2500 Watt (oder ein anderes Haushaltsgerät) läuft damit 144 Betriebsstunden. Also nicht gerade wenig. Und während Winzer und Gastronomen fast täglich so einen Weinkühlschrank nutzen (könnten), stellt sich bei privaten Haushalten doch die Frage Aufwand / Stromverbrauch und Nutzen.

Wenn man den wichtigsten Aspekt bei solchen Anschaffungen (menschliche Faulheit) mal außer Acht lässt, könnte man vorschlagen, den Weinkühlschrank nur einzuschalten, wenn zum Beispiel größere Feste oder Weinproben anstehen. Auch der Hinweis „Energieeffizienzklasse: Nicht ausgewiesen, da Getränke- bzw.Weinkühlschrank” kann einem ja zu denken geben.

Bei den Kaffeevollautomaten, um wieder zu diesem Beispiel zurück zu kehren, wird Energiesparen inzwischen auch als Werbeargument eingesetzt: Stromverbrauch ist hier durchaus ein Thema und die meisten modernen Geräte schalten sich automatisch nach einer bestimmten, manchmal einstellbaren Zeit der Nichtbenutzung – nein, nicht ab, sondern in einen energiesparenden Standby-Modus. Zum Ausschalten muss der umweltbewusste Genießer noch immer den Schalter auf der Rückseite benutzen.

PS: Der Stromverbrauch von Kaffeevollautomaten soll übrigens nach meinen (ungeprüften) Infos schwer zu ermitteln sein (unterschiedliche Bauart und Betriebszeit, Standby-Zeit, Tassenanzahl pro Jahr etc.), aber etwa zwischen 55 und 170 kWh betragen.

Eine Reaktion zu “Braucht man einen Weinkühlschrank?”

  1. Edekaner

    Wer wie ich in Köln lebt und weiß, dass dort in den meisten Häusern neueren Datums nur noch beheizte Keller zur Verfügung stehen, der weiß den Wert eines Weinklimaschrankes durchaus zu würdigen. Dort können dann auch Flaschen mehrere Jahre oder gar Jahrzehnte gelagert werden ohne ständig befürchten zu müssen das diese zu schnell überlagern.
    Die Schränke mit unterschiedlichen Temperaturzonen betrachte ich jedoch auch eher kritisch. Normale Kühlschränke kühlen Weißwein und Champagner mindestens genau so gut. Einige Rapid Ice (http://www.vacuvin.com/1252/Wine_-_Champagne_Cooler.html) im Tiefkühlfach bringen dann auch vergessliche Gestalten nicht in Bedrängnis und bringen eine gekühlte Flasche in 5-6 Minuten auf den Tisch.