Drei Wein-Trends für 2012: Was kommt?

Drei Weintrends für 2012

Die alljährliche Vorhersage darüber, wie wohl die Ernte ausfallen wird, ist ja schon Kaffeesatzleserei: geprägt vom Bedürfnis, sich rechtzeitig in Erinnerung zu bringen und vom Bemühen, Vorfreude zu wecken. Wie ist es da erst mit den Wein-Trends für 2012? Kann man dazu überhaupt etwas sagen?

Man kann das sicher nicht in der Art einer Prophezeiung: So wird das werden. Aber wenn man die Entwicklungen in 2011 betrachtet, dann kann man durchaus mal ein paar vorsichtige Prognosen wagen. Und am Ende dann schauen, was sich erfüllt hat… Fangen wir mit den guten Nachrichten an:

Der Bio-Weinbau wird weiter wachsen.

Das war jetzt nicht schwierig vorherzusagen: Alleine der ECOVIN-Bundesverband hat im vergangenen Jahr 18 neue Mitglieder in seinen Reihen begrüßt, so die Vorsitzende Lotte Pfeffer-Müller in ihrem Neujahrsbrief. Die Nachfrage nach Bioprodukten hat 2011 angehalten, auch 2012 wird wieder jeder Skandal und jedes Skandälchen das Bewusstsein für die Qualität von Bioprodukten schärfen – zumindest zeitweise.

Piwi-Weine (Weine aus pilwiderstandsfähigen Rebsorten, die zähle ich jetzt mal auch zu den Bioweinen) werden langsam weiter an Verbreitung gewinnen. Für eine rasantere Entwicklung sind deutsche Weintrinker nach meiner Meinung zu konservativ.

Die Wein-Blogs werden ausdünnen.

Aussterben wollte ich jetzt nicht schreiben und das wird auch sicher nicht so kommen. Aber der Trend geht eindeutig zu den Häppchen-Nachrichten von Twitter und Facebook. Die Zahl der Postings in Blogs sinkt, auch die Beteiligung in Kommentaren geht zurück. Alles „liked” – oder eben auch nicht. Das muss jetzt kein Schaden sein: Den 1000. Wein-Blogger, der über seine Zufalls-Weinkäufe in epischer Breite berichtet, den braucht die Welt nicht. Gute Blogs dagegen mit gutem Inhalt und echten Infos, die werden sich halten.

Und gleich noch eine Prognose in die fernere Zukunft: Irgendwann werden diese informativen Wein-Blogs „vom alten Schlag”, mit viel Herzblut und einigem Sachverstand ausführlich geschrieben, wieder zunehmen, wenn auch langsamer, als in der Vergangenheit. Der Hype um Facebook wird irgendwann nachlassen, wenn man merkt, das Social Media als Marketinginstrument nur sehr begrenzt nutzbar ist für durchschnittliche Weinerzeuger.

Vladimir Simovic hat hier einen schönen Beitrag verfasst: Weblogs als Fels in der Brandung der Social Networks

Mehr Marktplätze für Wein

Zur Zeit gibt es neben den Erzeugern mit eigenem Weinshop ungezählte Handelsplattformen, von denen nur wenige richtig profitabel sind. Da Winzer und Weingüter immer öfter auch ihre Weine selbst im Internet anbieten, müssen die Weinversender einen Mehrwert bieten: Über den Preis werden sie sich kaum durchsetzen (bei deutschen Erzeugern auf dem deutschen Markt).

Der Schlüssel liegt in meinem Augen in intelligenten Mehrwert-Angeboten: Mehr Infos über die Weingüter, die Rebsorte, die dazu passenden Rezepte, verlockendere Versandpreise. Dazu mehr Unterhaltungswert, in welcher Form auch immer. In Suchmaschinen und manchen Textlink-Werbungen tauchen bereits seit 2010 auch Bewertungen der Händler auf. Auch die werden künftig eine wichtige Rolle spielen, der Preis ist nicht alles.

Ob sich sogenannte Flash-Sites, mit täglich wechselnden Sonderangeboten eines Weines behaupten werden, dazu wage ich mal keine Prognose. In den USA scheint das gut zu gehen.

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