Württemberger Weinlese: Von Winzern und Weinen rund um Stuttgart

Obligatorisch: das Viertele

Württemberger WeinleseEs ist relativ schwer, mich für Wein-Bildbände zu begeistern. Entweder sind mir die Texte zu flach, meistens Werbeprosa. Oder die Bilder schwanken irgendwo zwischen Kitsch und zwanghafter Originalität (wie man das aus vielen Weinfachzeitschriften kennt). Dieses Buch über Württemberger Winzer, um es gleich vorweg zu sagen, finde ich richtig gut. Und das nicht nur weil ich aus Stuttgart komme.

Geschrieben hat es die Stuttgarter Journalistin Kathrin Haasis, die ihr Brot wohl hauptsächlich bei der Stuttgarter Zeitung verdient. Und Tageszeitungs-Journalisten haben in aller Regel eine aufrechte Art: Sie schwurbeln nicht in pseudo-fachlicher Manier über versteckte Aromen und Gaumenkitzel. Sie nähern sich behutsam dem Objekt Ihrer Recherche, beschreiben, was sie sehen und halten auch mit der eigenen Meinung nicht hinter dem Berg. Die dürfen sie, entgegen einem landläufigen Vorurteil über objektive Berichterstattung, durchaus haben und auch äußern.

Kathrin Haasis und ihre Mitstreiter, die Mitautoren einer wöchentlichen Weinkolumne, liefern in dem Buch aus dem Theiss-Verlag durchweg lesenswerte und interessante Porträts ab. Angereichert mit vielen Hintergrundgeschichten über schwäbische Besenwirtschaften, über Wengertlehäuser und „Wein 0711”. Über Stuttgart, das sie griffig umschreiben mit „fast cars and slow food” und das mit 500 Wengertern für 430 Hektar Reben kein Weindorf ist, aber eine liebenswerte und originelle Mischung aus Großstadt und viel Grün.

Stuttgart und seine Weine und Winzer

Beschrieben werden Winzer und Genossenschaften, sowohl in der Landeshauptstadt selbst wie auch im „Speckgürtel”, dem Remstal und dem Unterland um Heilbronn. Schon an der Auswahl merkt man, dass die Journalisten vor Ort viele Detailkenntnisse haben. Da werden das Collegium Wirtemberg genauso beschrieben und wie der Nebenerwerbswinzer Bernd Kreis, der eigentlich eher als Weinhändler bekannt ist.

Öko-Weingärtner Manfred Siglinger in Großheppach und seine Öko-Kollegen stehen im Fokus, aber auch das Aushängeschild fürs Ländle, das Weingut Herzog von Württemberg. Und weil im Wein-Kosmos nicht nur Winzer und WGs ihren festen Platz haben, werden auch die interessanten Themen drumherum nicht ausgelassen: Jörg Geiger mit seinem Champagner von der Bratbirne oder Kessler Sekt in Esslingen.

Die Kapitel über Württemberger Randlagen und die als Weinquellen deklarierten Einkaufsmöglichkeiten sind Chronistenpflicht. Zur Kür gehören dagegen die Porträts derjenigen Winzer, die ihre Heimat verlassen haben und in Frankreich, Spanien, Neuseeland oder Kanada ihre schwäbischen Wurzeln und Tugenden für Wein und Weinbau genutzt haben.

Die Aufnahmen des Bildbandes stammen von dem Fotografen Martin Stollberg. Er schafft es, auch wenn das Buch und seine Kapitel offenbar nicht aus einem Guss sondern aus verschiedenen Berichten entstand, durchgängig seine Handschrift erkennbar werden zu lassen. Dazu gehört auch, dass sich neben den klassischen Schönwetter-Motiven alle Jahreszeiten wieder finden.

Alles in allem ein gelungenes, rundes Bild der Württemberger und ihrer Weine, die ja bekanntlich nicht ohne Ecken und Kanten sind.

Weinbaugebiet Württemberg

Eine Reaktion zu “Württemberger Weinlese: Von Winzern und Weinen rund um Stuttgart”

  1. Herbst-Einstimmung: Württemberger Weinlese | testschmecker.de

    […] Buch habe ich für bestebioweine.de gelesen und rezensiert: Württemberger Weinlese: Von Winzern und Weinen rund um Stuttgart. Und von […]