Histamin im Wein: es geht auch (fast) ohne

Die Heuschnupfenzeit bedeutet für viele Menschen eine große Belastung. Ursache für allergische Reaktionen ist die Bildung von Histamin als Abwehrreaktion des Körpers. Gleichzeitig ist Histamin damit aber auch an der Symptomatik von Allergien und Asthma beteiligt.

Grund genug für viele Menschen, die Histamin-Belastung in kritischen Zeiten (zum Beispiel bei starkem Pollenflug im Frühjahr) deutlich zu reduzieren. Histamin ist von Natur aus auch in vielen leckeren Produkten wie Käse und Fisch, Rotwein und Sekt und in Orangen. Der Histamingehalt im Wein lässt sich aber auch steuern: Der Stoff entsteht zum Beispiel beim biologischen Säureabbau, ein kontrolliertes Verfahren kann aber Histaminbildner auch unterdrücken.

Inzwischen gibt es schon erste professionelle Ratgeber, die Winzer und Weingüter bei der Herstellung von Wein beraten wollen, damit histaminarme Weine entstehen. Sieht man die Wellen, die die Produktion veganer Weine geworfen hat, kann man sich vorstellen, dass die Nachfrage nach histaminarmen Weinen in Zeiten sich rasch ausbreitender Allergien wachsen wird.

Wie beim Thema vegane Weine reagieren die Erzeuger mit etwas Verzögerung. Einige Winzer können zu diesem Thema gut Auskunft geben und beraten, stichhaltige Zaheln und Werte haben aber nur die wenigsten. Dieser Wiesbadener Weinshop von Monika Maria Eller wirbt damit, histaminfreie Weine und Sekte und sogar Essig anzubieten. Auf der Website kann man eine Preisliste herunterladen, auf der die Histaminwerte der einzelnen Weine angegeben sind (meistens werden Werte kleiner als 0,1 mg Histamin je Liter angegeben). Auf der Liste stehen auch einige Bio-Weine und eigene Produkte.

Zitat aus dem Werbeflyer:

Besonders freue ich mich, dass die familieneigene Weinlinie nicht nur histaminfrei ist, sondern auch ausgezeichnet schmeckt: prämiert vom GAULT MILLAU und DER FEINSCHMECKER.
Unsere Sorgfalt wurde auch durch die Europäische Stiftung für Allergieforschung (ECARF) kontrolliert und mit dem entsprechenden Qualitätssiegel für allergikerfreundliche Produkte ausgezeichnet.

Natürlich bedeutet die Feststellung der Histaminwerte auch eine weitere Belastung der Winzer: Untersuchungen wollen bezahlt sein. Und noch scheint die Nachfrage nach histaminarmen oder histaminfreien Weinen und Sekten relativ gering zu sein. Zudem lassen die strengen Bestimmungen für die Gestaltung von Wein-Etiketten sicherlich nicht zu, dass man diese Werte hier veröffentlicht. Es geht also ein weiteres Mal um Beratung, um zusätzlichen Service.

Und um Fingerspitzengefühl. Die Werbung mit gesundheitlichen Aspekten des Weinkonsums ist den Winzern untersagt, schon die Bezeichnung eines Weines als „bekömmlich“ kann schwerwiegende Folgen haben. Angesichts der wachsenden Zahl von Menschen mit Allergien und Histaminintoleranz können fachkundige Winzer auf Werbe-Aussagen indes gut verzichten: Alleine die Bekanntgabe der Werte dürfte informierten Verbrauchern genügen.

2 Reaktionen zu “Histamin im Wein: es geht auch (fast) ohne”

  1. Histamin im Wein | ECOVIN Baden

    […] gehören, lassen sich diese Werte durch die den Ausbau der Werte deutlich dezimieren. Auf bestebioweine.de steht dazu ein kurzer Übersichtsartikel. Im Zweifelsfall fragen Sie Ihren Biowinzer, ob er zu […]

  2. Olaf Nitzsche

    Danke für den schönen Beitrag!
    Das Thema Histamin und Wein ist tatsächlich ein wichtiges, das viele Menschen betrifft. Umso unverständlicher, dass zwar Sulfite auf der Flasche deklariert werden müssen, aber die für viele Weinfreunde sehr viel relevantere Freiheit von Histaminen nicht deklariert werden darf. Weder als Histaminfrei oder Histaminarm. Also müssen sich die Verbraucher mit den Analysewerten beschäftigen. Für Menschen mit Histaminintoleranz ist das sicher möglich, aber dennoch halte ich die Regelung für kontraproduktiv.
    Mit meinem neuen Webshop mit Weinen, die auf Histamine geprüft sind oder ohne Schwefelzugabe erzeugt wurden bzw. Glucose-, Fructose oder Sorbitarm sind, möchte ich Menschen mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Allergien ein übersichtliches Angebot schaffen.
    Herzliche Grüße
    Olaf Nitzsche