Mein persönlicher kleiner Biowein-Vorrat

Die Motive, nach denen Wein eingekauft wird, sind schier unermesslich: Die einen kaufen nur Bekanntes, andere gehen immer wieder auf Entdeckungstour, die einen kaufen grundsätzlich mindestens 6 Flaschen, andere sind auf der Jagd nach einzelnen Flaschen. Ausschlaggebend für das Einkaufsverhalten ist sicher auch, was man vorhat. Der Genießer, der alleine im stillen Kämmerlein eine Flasche öffnet, hat andere Ansprüche als ein Gastgeber, der zu jedem Anlass und jede Besucherzahl gewappnet sein möchte.

Wie so oft im Leben kann man für die meisten Fälle ein Muster finden, das vielen gerecht wird. Hier ist mal das skizziert, was für mich heute passt. Und was ich für einen praktikablen und auch preislich vertretbaren Weg halte.

1. Verschiedene leichte Weißweine zum Essen: Gutedel, Müller-Thurgau, Rivaner, Auxerrois, gerne auch Cuvées, Sommerweine etc.

Wenn man die Weine nach einer Qualitätspyramide ordnet, dann ist das hier die breite Basis mit den preiswerten Weinen im 5-Euro-Bereich: Es kommen hier nicht nur sehr viele Weine als Essensbegleiter für Alltagssituationen in Betracht – man kann sie auch alle parallel verwenden. So ist es nach meiner Erfahrung längst kein Beinbruch, wenn man zu wenig festlichen Anlässen einfach den Wein wechselt, wenn eine Flasche leer ist. Lässt sich absehen, dass eine Flasche sowieso nicht reichen wird, kann man aus dem vermeintlichen Manko einen Vorteil machen und stellt von vorneherein zwei bis drei verschiedene Flaschen auf den Tisch. Das sollten dann auch möglichst Weine sein mit verschiedenen Geschmacksrichtungen.

Bei festlicheren Anlässen halte ich das für weniger gut: Natürlich darf jeder auf Wunsch trinken, was er will. Aber wer entscheidet, was es zu Essen gibt, der sollte auch einen passenden Wein dazu empfehlen bzw. gleich auf den Tisch stellen.

Da heutzutage zu kaum einem alltäglichen Anlass die Gäste auf die Heimfahrt verzichten, pendelt sich der Konsum meist im Zehntele-Bereich ein. Viele nutzen zuhause nicht die Möglichkeit, verschiedene Weine zum Essen zu probieren. In größerer Rund geht das gut, man kann sich austauschen und lernt vielleicht interessante neue Weine kennen. Der Gastgeber bleibt schlimmstenfalls auf ein paar angebrochenen Flaschen sitzen. Aber da hier ausdrücklich von sehr preiswerten Weinen die Rede ist, wird das kaum jemanden schmerzen.

Weinkenner rümpfen gerne mal die Nase, wenn vom 5-Euro-Segment die Rede ist. Der gemeine Verbraucher kennt da meistens keine Berührungsängste und ist froh für Tipps zum preiswerten Weinkauf. Fast alle Biowinzer haben im Online-Angebot weiße Einstiegsweine in der Preisklasse um die 5 bis 8 Euro.

2. Fischweine: knackig, kalt, hohe Säure, Weißburgunder, Riesling

Das erscheint jetzt vielleicht etwas beliebig, eine Speise herauszugreifen. Aber für mich sollte Wein zum Fisch einen eigenen Charakter haben. In den meisten Fällen wird ein knackiger, kalter Weißwein (selten auch ein kalter herber Rotwein) als passend empfunden, dessen Säuregehalt mit den kräftigen Aromen eines Fischgerichts mithalten kann. Da die Grenze zwischen Weinen mit knackiger Säure und sauren Weinen schnell überschritten ist, ist hier die Auswahl deutlich geringer: Sicher gibt es noch mehr Weißweine, die dafür entdeckt werden wollen, aber am besten beschränkt man sich hier auf maximal zwei bis drei Weine. Ausschlaggebend sind Rebsorte, Ausbauart, biologischer Säureabbau und vieles mehr. So kann der Sauvignon Blanc auch mal locker einen Riesling ausstechen.

Auch würde ich hier keinen Wechsel des Weins beim Essen empfehlen: Von seinem speziellen Fischwein sollte man eine zweite gekühlte Flasche parat haben. Mit 5 bis 15 Euro pro Flasche ist man gut dabei.

3. Edle Weiße, auch zum Repräsentieren: Grauburgunder als Favorit, evt. Riesling

Das sind dann die Weine, die nicht nur den höchsten Genuss versprechen, sondern auch bei den Gästen einen bleibenden Eindruck hinterlassen solle. Wobei die persönlichen Vorlieben immer Vorrang haben: Wer will schon mit einem Wein glänzen, der einem selbst nicht 100prozentig schmeckt? Also keine „Blender” kaufen, mit großem Namen, aus dem Barrique, angesagte Rebsorten, nur weils was hermacht.

Auch hier genügt theoretisch der Mini-Vorrat von zwei Flaschen, schließlich sind das Weine für einen besonderen Anlass. Mit zunehmender Wein-Erfahrung wird man viele Kandidaten haben, die hier in die engere Wahl kommen, und natürlich schwärmt manch einer davon, dass er den ganzen Keller voll habe mit solchen Top-Weinen. Aber Ausprobieren und einen Vorrat halten sind eben zwei paar Stiefel.

Weiße aus dem Barrique gehören nicht zu meinen Favoriten, das schränkt die Auswahl etwas ein. Die Preisspanne liegt bei mir meistens zwischen 10 und 16 Euro.

4. Einfache Rote, die Italiener unter den deutschen Rotweinen: alle Rebsorten, zu Nudelgerichten, Pizza, Pasta,

Auch bei den Roten ist die Basis der Pyramide ziemlich breit. Auch hier gibt es eine Vielzahl preisgünstiger Weine, und wie bei beim weißen Basis-Segment brauchts bei mir von keinem mehrere Kartons: Viele probieren, oft wechseln, alle Kombinationen zum Essen testen, die einen interessieren. Allerdings liegen die Basis-Preise bei den Roten zumindest bei mir im Südwesten deutlich höher als bei den Weißen.

5. Trinkweine rot, das Viertele am Abend, nicht ganz so trocken

Bei den Roten habe ich keinen Favoriten für bestimmte Speisen, sondern ich unterscheide zwischen den deutlich trockeneren zum Essen und den eher geschmeidigen für ein Solo. Mein Vorteil ist, dass es bei mir in Baden eine Vielzahl ausgezeichneter Spätburgunder gibt. Mein Nachteil: Es gibt hier fast nur Spätburgunder. Also weiche ich öfters aus, vorzugsweise in meine schwäbische Heimat. Die Württemberger haben eine größere Vielfalt, eine interessante Preisspanne und sehr gute Qualitäten. Auch die Pfalz und Rheinhessen bieten Vielfalt in verschiedensten Preisklassen.

Angelegt werden meist zwischen 8 und 15 Euro, aber auch hier genügen kleinere Mengen, dafür gibt es mehr Abwechslung.

6. Edle Rote, auch zum Repräsentieren: Spätburgunder & Co.

Erstaunlicherweise scheinen mir viele Menschen bei Rotweinen weniger tolerant, als bei Weißweinen. Oder die Vorstellungen über einen guten Weißwein sind einheitlicher als beim Rotwein. Bei den Roten toleriere ich zum Beispiel auch die Barriquenote, andere lieben oder hassen sie. Mit einem exquisiten Spätburgunder macht man selten etwas falsch, mit 10 bis 20 Euro ist das auch die Obergrenze dessen, was ich heute noch für Weine ausgebe.

Kommentarfunktion ist deaktiviert